< Mit Schwung in das Jahr 2017: Das LogistikCluster NRW eröffnet das Jahr mit einem positiven Ausblick
01.03.2017 09:54 Alter: 58 days

8. BranchenForum HandelsLogistik.NRW am 22.2.2017 in Wuppertal


Erfolgsmodelle Omni-Channel und neu ausgerichtete stationäre Präsenz mit Online-Angebote erfordern besondere Servicekonzepte und Innovationen.

„In Deutschland fehlt ein Gleichgewicht zwischen Innovationen in E-Commerce und E-Fulfillment und Innovationen in der Logistikbranche“, so lautete eine der Einschätzungen von Benjamin Brüser, Gründer des ersten Lebensmittel-Multichannel-Anbieters „Emmas Enkel“ und Inhaber von BR-AIN Brüser Architektur und Innovation, auf dem 8. BranchenForum HandelsLogistik.NRW. Bemerkenswerte Innovationen oder innovative Ansätze kämen derzeit  eher von Firmen wie Amazon. Insgesamt sollte mehr Wert auf das Austesten und das schnelle Lernen hieraus gelegt werden.  Das, was in E-Commerce-Lösungen als „letzte Meile“ angesehen werde, so Benjamin Brüser, sei für den Endkunden oft die „erste Meile“ und der erste Eindruck, z.B. wenig ansprechende Paket-Shops. An die Stelle des klassischen Gesetzes „großer Laden, kleines Lager“ im stationären Handel trete im Online-Handel die Maxime „kleiner Laden, großes Lager“.  Im Gegensatz zur  Erhöhung des „Warendrucks“ und der Selbstbedienung im stationären Handel ginge es im Online-Handel um eine selektive Warenpräsentation und den Wandel des Händlers zum Dienstleister. Benjamin Brüser sieht den erfolgversprechendsten Ansatz in einer Kombination von neu ausgerichteter stationärer Präsenz und Online-Angeboten mit hohem Servicecharakter und zeigte hier mehrere Beispiele (z.B. Kellogs Store in New York City).

„Neue Servicekonzepte wie „Same Day Delivery“ oder innerstädtische kleinere Läger und Versorgungspunkte für z.B. den Lebensmittel-Online-Handel erfordern intelligente Logistikkonzepte. Sie erfordern aber genauso leistungsfähige Verkehrsinfrastrukturen auch in den Städten und auch sonstige gute Rahmenbedingungen“, war sich Matthias Löhr, Präsident des LOG-IT Clubs e.V. und Vorsitzender des Lenkungskreises des Logistikcluster NRW, sicher. Sie benötigen auch die Akzeptanz der Bürger, der Politik vor Ort und – nicht zuletzt – der Kunden. „Übrigens: Nicht alles werden wir zukünftig per Lasten-Fahrrad erledigen können“, mahnte Matthias Löhr auch eine Relativierung der aktuellen Euphorie um solche Lösungen an.

Ministerialrat Dr. Peter Scholz, Referatsleiter Handel, Dienstleistungen und Logistik im Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand, Energie, Industrie und Handwerk, sieht hingegen so manche Innovationen als neue Servicekonzepte vor der Tür, so etwa den ausliefernden kleinen Roboter. Hier werde demnächst die Dynamik zunehmen, auch von „Branchenfremden“. Die Lebensmittelauslieferung an Endkunden über das Uber-Mobilitätssystem sei ein Beispiel. Aufgabe der Politik sei es hier, auf die Einhaltung der Rahmenbedingungen und auf ein „Level Playing-Field“ zu achten, etwa im Zusammenhang mit der Personenbeförderung per Uber und den Anforderungen aus dem für den Personenverkehr geltenden Personenbeförderungsgesetz.

Einen Blick auf neue Servicekonzepte in der Handelslogistik aus einer ganz anderen Perspektive wagte Nicolas Rottmann, Geschäftsführer der Rhenus Home Delivery GmbH. Aus Sicht eines Fulfillment-Logistikers nähmen die Anforderungen des Handels derzeit mit einer großen Geschwindigkeit zu. Auch im Haushaltsgerätebereich wachse der Online-Anteil enorm, inzwischen läge er schon bei 29%. Nicht selten stelle sich die Frage, wie angesichts der Rahmendbedingungen die vielen Wünsche überhaupt noch erfüllt werden könnten. „Die Lieferkonzepte sind da, z.B. kostenfreie Lieferung oder Same Day. Wünschenswert wären z.B. einheitliche Labels im Möbelsektor, Multi-User-Terminals für mehrere Hersteller, Micro-Hubs in innerstädtischen Lagen, auch z.T. mehr Direktverkehre“, so Nicolas Rottmann. Der größte Teil der Sendungen von Rhenus Home Delivery konzentriere sich in Ballungsräumen. Gerade hier wirkten sich die Infrastrukturengpässe und Staus sehr belastend im Hinblick auf die Erfüllung der Endkundenwünsche wie Einhaltung eines kleinen Lieferzeitfensters oder Same Day Delivery aus. In Bezug auf Infrastruktur und Verkehrskapazitäten und auch so manches schwerfälliges Genehmigungsverfahren mahnte Nicolas Rottmann dringend Entscheidungen der Politik an. Das bei Rhenus praktizierte 2-Mann-Auslieferung sieht Nicolas Rottmann als einen der USPs der von ihm geleiteten Firma im Wettbewerb der Servicekonzepte.

Guido Bollen, Transport Manager der AO Deutschland GmbH, einer der führenden Online-Händler im Marktsegment Haushaltsgeräte, beschreibt anschaulich den strategischen Ansatzes eines B2C-Online-Händlers und hier die große Bedeutung der „letzten Meile“ und der Auslieferungsfahrer. Diese hätten die Herausforderung, vorausschauend und höflich zu fahren, die Haushaltsgeräte bis in die Wohnungen der Kunden perfekt zu liefern und anzuschließen. Sie seien sehr wichtig, denn Sie seien das „Face tot he Customer“.

Thomas Kempcke, Leiter Forschungsbereich Logistik EHI Retail Institute GmbH, sieht im Rahmen von Multichannel-Servicekonzepten noch so manches Verbesserungspotential, so etwa in der Lieferzuverlässigkeit, der Zeitfensterbuchung und der Kundeninformation bzw. Sendungsverfolgung. So wolle der Endkunde wissen, ob das bestellte Produkt verfügbar sei und wo es sich gerade aufhalte. Als wesentliche Trends sieht der Experte vom EHI die wachsende Bedeutung valider Prognosepläne, den zunehmenden Auftritt von Herstellern als Online-Händler und die steigende Komplexität der Warenströme durch Retouren Systeme und Wertstoff-Kreislaufansätze.

H.M. Beyer, Retail Segment Manager Deutschland, District Marketing, United Parcel Service Deutschland S.a.r.l. & Co., stellt eine deutliche Zunahme länderübergreifender Online-Handelskonzepte an, was gerade für UPS auf Grund der eigenen Logistikprodukte eine spannende Entwicklung sei. In Bezug auf die „letzte Meile“ und Same Day Delivery betonte er die beiden UPS-Varianten „Access-point-Anlieferung oder Lieferung direkt zum Endkunden.

Alexander Löschhorn, Leiter Omnichannel GALERIA KAUFHOF GmbH, sieht noch viel Potential in der Rolle der innerstädtischen Filialstandorte für Versorgungs- und Lieferkonzepte der im gesamten Omni-Channelbereich. So etwa die Nutzung der Filiale als Abholpunkt oder Ausgangspunkt für Same Day Delivery zum Endkunden. Generell sei die Philosophie des Omni-Channelansatzes von GALERIA KAUFHOF in der Verzahnung aller Verkaufskanäle und der freien Wahl des bevorzugten Kanals allein durch den Kunden zu sehen.


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