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22.09.2016 12:23 Alter: 158 days

6. BranchenForum LogistikMarketing.NRW


Bochum. In der IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum fand das 6. BranchenForum LogistikMarketing.NRW statt. Rund 30 Teilnehmer gestalteten zu den Vorträgen eine lebhafte Diskussion. Das Thema Wandel wurde aus unterschiedlichen Richtungen beleuchtet. Es gibt schon heute über 180 Ausschreibungsplattformen, der Einkauf wird zu Einkauf 4.0, der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik spricht gar vom „Einkäufer als Auslaufmodell“. Andere sehen den klaren Trend vom Spediteur zum Terminalbetreiber. Diese und andere Entwicklungen sind bereits heute akute Bedrohung für den Vertrieb und das bestehende Geschäftsmodell der Unternehmen. Das BranchenForum LogistikMarketing.NRW zeigte Trends und Lösungsansätze auf, wie der Wandel gemeistert werden kann. Am Ende waren sich die Teilnehmer einig: Nichts ist beständig, außer der Wandel.

Der Moderator und Vorsitzende des BranchenKreises Logistikmarketing, Werner Geilenkirchen von Herzig Marketing, führte in seinem „Intro“ in das Thema ein. Er machte deutlich, dass die digitalen Veränderungen und der komplette Wandel der Kommunikation zukünftig ganze Unternehmensbereiche in Frage stellen und nachhaltig verändern werden. „Die Digitalisierung wird blutig, noch blutiger wird es, wenn Sie nicht mitmachen“, das Zitat der Stunde von Karl-Heinz Land, Geschäftsführer der neuland GmbH und Co. KG. Besonders die Auswirkungen der veränderten Kommunikationsmedien auf die Zeitfenster und auch Lieferstrukturen in der Logistik wurden dargestellt und besprochen.

„Der traditionelle Spediteur wird überflüssig! Na und?“ war das Vortragsthema von Klaus Kothmann, Gründer von logistik-consultants.de. In seinem Vortrag zeigte er durchaus provokant auf, wie auch kleinere Mitspieler zukünftig ein großes Rad drehen können, wenn sie es schaffen, sich aus traditionellen Rollenmustern der Logistik zu verabschieden und es lernen, die schnellen, kurzlebigen und z.T. auch auf neue Geschäftsmodelle ausgelegten Marktregeln mitzuspielen.

In dem moderierten Unternehmergespräch zwischen Werner Geilenkirchen und Jan Deventer, Inhaber Deventer Kontraktlogistik, wurde die Frage diskutiert, was die Logistikdienstleister den Verladern entgegensetzen, die auf Einkauf 4.0 setzen. Hier ging es vor allem um die technischen Lösungen die bei Ausschreibungen eingesetzt werden. Ausschreibungsplattformen wie Timocom, Freightos und andere bieten den Verladern die Chance, sehr schnell und unkompliziert Dienstleister zu finden. „Und es gibt immer den Einen, der unter Preis fährt“, berichtete einer der Teilnehmer und fand bei den anwesenden Spediteuren breite Zustimmung.

Angeblich, so einige Teilnehmer, ginge es nicht mehr um Qualität oder persönliche Beziehungen sondern rein um den Preis. Dem widersprachen nicht nur Marketingmann Geilenkirchen, „gerade die neuen Portale mit integrierten Qualitätsbewertungen durch Verlader, etwas was Konsumenten bei ebay oder Hotelportalen schon lange kennen, wird die Kaufentscheidung über den reinen Preis hinaus beeinflussen, geleistete Qualität und Image werden wieder wichtige Vertriebsargumente.“

Außerdem, „so ist die neue Welt“, sagte Jan Deventer und bestätigte, dass die Kommunikationsmedien heute bis zu 70% der Arbeitszeit von den Vertrieblern bedient werden. „Das alte Vertriebsmodell eines Mitarbeiters, der 30% Innendienst und 70% draußen bei Kunden war, hat ausgedient. Heute brauchen wir Mitarbeiter, die über die unterschiedlichsten Informationskanäle aktuelle Informationen managen. Am Ende fährt man zum Vertragsabschluss noch hin, aber das ist nicht mehr der Hauptteil der Arbeit.“ Auch der klassische Einkäufer von Dienstleistungen hat ausgedient. Die Teilnehmer des Forums berichteten über die unterschiedlichsten Bereiche, die sich im Unternehmen bereits heute schon gewandelt haben, ohne dass irgendjemand den großen „Change“ ausgerufen hat. Trotzdem ist es wichtig für Unternehmen, sich auch strategisch mit dem Thema Wandel zu beschäftigen.

Kerstin Groß, Geschäftsbereichsleiterin der IHK Mittleres Ruhrgebiet, lenkte mit Ihrem Vortrag über Kulturhauptstädte Europas den Blick auf das Thema Umsetzungsdynamik. Am Beispiel des Strukturwandels in Glasgow zeigte sie Wege zum Imagewandel und strategischer Weiterentwicklung auf. Wichtigste Lehre: Die Beteiligung von Menschen macht Veränderungsprozesse nachhaltig. „Im Grunde ist der Inhalt bei Veränderungen egal. Eine Veränderung braucht immer einen Anlass und ein Ziel“, fasste Kerstin Groß die Gemeinsamkeit von Kultur- und Logistikveränderungen zusammen. Wichtiger Parameter einer erfolgreichen Veränderung ist die Entscheidung für eine Veränderung. Dann müssen Ziele benannt werden, was mit der Veränderung erreicht werden soll. Es müssen der Weg zu der Veränderung beschrieben und Maßnahmen eingeleitet werden. Und vor allem geht es immer darum, alle an der Veränderung Beteiligten „mitzunehmen“. „Seien Sie eine Schlüsselmakrele, es schwimmen nie alle gleichzeitig in eine neue Richtung. Der Schwarm braucht einzelne Schlüsselfische, die die Richtung ändern. Die anderen folgen.“

Abschließend stellte Ulli Chrobok, Coach und Trainer bei Tangram Consulting, Ansätze, Maßnahmen und Methoden vor, mit denen Wandel gemeistert werden kann – zumindest, um den Beteiligten klarzumachen, wie ein erfolgreiches Changemanagement gelingen kann. Der wirksamste Weg führt nach seiner Erfahrung über "den Kopfstand". Er zeigte klar auf, wie die Änderung der Denk- und Lösungsansätze zu signifikanten Ergebnissen führt. Findet man Antworten auf die "umgedrehte Frage", wie Prozesse noch weiter verlangsamt werden könnten, so erhält man neue Ideen für die eigentliche Ausgangsfrage, wie diese Prozesse eben genau zu beschleunigen sind. Richtungsänderung statt Beharren auf fehlerhaften Mustern, so sein Credo.


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